Corona: Fake News und Veränderung

Covid-19, das neue Coronavirus verändert die Welt. Es betrifft uns alle: Menschen, die nicht mehr zur Arbeit gehen können, andere, die Sonderschichten schieben, Unternehmer, die um ihr Lebenswerk fürchten, Selbständige, die um ihre Existenz bangen, Kinder, die nicht in die Schule müssen, aber ihre Freunde nicht sehen dürfen. Ein tiefer Einschnitt in unser aller Leben. 

Die Reaktionen sind vielfältig. Während sehr viele solidarisch sind oder anderen helfen – und sei es auch nur dadurch, dass sie persönliche Kontakte vermeiden – gibt es auch Trotz und Ablehnung. 

Besonders deutlich wird das in den sozialen Netzwerken. Ich bin inzwischen Mitglied in mehreren Facebook-Gruppen, in denen Unternehmer und Selbständige sich austauschen und gegenseitig beraten. Auch hier gibt es diejenigen, die sich ernsthafte Sorgen um ihre Existenz oder um ihre Mitarbeitenden machen. Und andere, die helfen, Mut machen, kreative Lösungen entwickeln. Und ja – auch ein paar Untergangspropheten. 

Und es gibt hier, wie auch an anderen Stellen im Netz, Menschen, die Fake News verbreiten. Von Relativierungen der Bedrohungslage über unglaubwürdige Erfolgs- oder Misserfolgsgeschichten was staatliche Förderungen angeht, bis hin zu Verschwörungstheorien. 

Warum teilen Menschen diese Geschichten? Warum verbreiten sie sie ungebremst weiter? Als ich über diese Frage nachgedacht habe, fiel mir ein Modell ein, das ich euch gerne vorstellen möchte. Es wird im Business-Kontext herangezogen, um die psychische Belastung in Change-Prozessen zu beleuchten. 

Was passiert emotional mit Menschen, die vor einer gravierenden Veränderung stehen?

Die erste Reaktion ist ein Schock. Das Leben steht für einen Moment still. Habe ich da richtig gehört?

Der nächste Schritt ist die Verdrängung oder Verneinung. Das kann nicht sein! Ich glaube das nicht! Da steckt bestimmt etwas anderes dahinter.

 Das 7-Stufen-Modell von Richard Streich. Er beschreibt damit die Kompetenzstufen. Das heißt: wie kompetent fühlen sich die Betroffenen in der jeweiligen Phase, wie viel Kontrolle glauben sie über das Geschehen zu haben. Negativ formuliert entspricht das dem Gefühl der Machtlosigkeit. Ist diese am stärksten, sinkt die Kurve nach unten. Wenn ich das Gefühl habe, wieder über mein Leben bestimmen zu können, steigt sie an.

Ihr werdet es schon ahnen: das ist genau die Phase, in der die Fake News entstehen. Und in der sie gerne aufgegriffen werden. Ich klammere mich an alles was hilft, mich vor dem gravierenden Wechsel zu bewahren. Oder zumindest vor der Einsicht, mich hier fügen zu müssen. Das Krasseste, was ich gelesen habe, war die These, dass die Wirtschaft ohnehin kurz vor dem Kollaps stünde und das Virus nur ein Ablenkungsmanöver sei.

Abwehr

Apropos: die Landeszentrale für Politische Aufklärung Baden-Württemberg hat zum Thema Verschwörungstheorien eine ausführliche Seite erstellt. Und wer lieber bewegte Bilder als viel Text mag, ist bei arte richtig. 

Dahinter steckt – wie bei jeder Verschwörungstheorie – ein Gefühl der Machtlosigkeit. Ich kann nicht (mehr) über meine Leben gebieten. Ich fühle mich beschnitten und meiner Kompetenzen beraubt. Und irgendwer muss diese Macht ja jetzt haben. Im Zweifelsfall sind das sogar Aliens.

Manche Menschen verfallen in dieser Phase übrigens auch in Aktionismus. Sie sorgen dafür, dass sie ständig beschäftigt sind. Letztlich ist auch das eine Strategie um die Beschäftigung mit den seelischen Aspekten aufzuschieben. Andererseits kann man so auch erstaunliche Dinge zustande bringen. Trotzdem: die nächsten Schritte kann man damit auf die Dauer nicht verhindern. 

Die Einsicht in die Unausweichlichkeit ist der Punkt, an dem unser Verstand wieder die Kontrolle übernimmt. Wir fügen uns in das Unvermeidliche. 

Das heißt aber noch nicht, dass es mir damit gut geht. Dazu sind noch weitere Schritte nötig. 

Das Ende der Talsohle

Zunächst die Akzeptanz. Zwar sagt mir mein Kopf: du kannst an der Situation nichts ändern, aber mein Bauch schreit immer noch Nein!

Und das ist der entscheidende Punkt in der ganzen Entwicklung: lass die beiden miteinander reden! Höre auf deinen Bauch und höre auf deinen Kopf! Und wenn der Bauch rebelliert, dann lasse deinen Kopf ihn beruhigen. 

Das klingt vielleicht erst mal ein bisschen schräg, aber ohne die Aussöhnung von Gefühl und Verstand kommst du hier nicht weiter. Dein Bauch wird sich immer wieder lautstark melden, wenn du nicht auf ihn hörst. 

Selbstcoaching 1:

Nimm dir ein Blatt Papier und einen oder mehrere Stifte. Schreib auf, was dein Kopf dir sagt und schreibe auf, was dein Bauch dir sagt. Oder male es auf. Das kann sogar noch besser helfen, weil es für den Bauch das geeignetere Medium ist. 

Und dann schau dir dein Werk an. Denke drüber nach. Lass deine Gedanken fließen. Es geht nicht darum, rational abzuwägen, wer die besseren Argumente hat. Es geht um den Dialog. Und der befreit. Stelle Fragen. Arbeite heraus, was für dich am Schönsten ist. Was vielleicht beängstigend. Was überrascht dich?

Das hilft dir bei der Akzeptanz. Und führt fließend zum nächsten Schritt, den ich hier Spielen genannt habe. In anderen Beschreibungen des Modells wird er auch Ausprobieren oder Lernen genannt. Ich habe mich für den Begriff Spielen entschieden, weil Spielen nicht zielgerichtet ist. Wenn ich ausprobiere oder lerne, gehe ich zielgerichtet und geplant vor. Damit verschenke ich aber kreatives Potential.

Die Bedeutung des Spielens

Wenn ich spiele, habe ich mehr Freude daran. Mehr Freiheit. Es ist sicherlich kein Zufall dass zur Zeit in den sozialen Netzwerken wieder Spiele auftauchen, wie virtuelles Stadt-Land-Fluss oder Wortspiele mit Filmtiteln. 

Im nächsten Schritt kann ich das, was ich spielerisch erarbeitet habe, in eine gezielte Aktion umsetzen. Viele Menschen verändern gerade auf kreative Weise ihr Geschäftsmodell: in meinem Freundeskreis sind das Künstler, die online gehen, Trainer und Coaches, die anfangen, webbasiert zu arbeiten. Unternehmen wie Salewa oder Trigema stellen Schutzbekleidung her, LVMH stellt die Produktion von Parfum auf Desinfektionsmittel um. 

Un damit sind wir bei den letzten beiden Schritten. Wenn du die Phase des Spielens nutzt, wirst du nicht nur die eine Erkenntnis haben – die Veränderung ist real – sondern viele. Ich kann Lernen, ich kann mit Krisen umgehen, ich kann die Kompetenz über mein Leben zurückgewinnen. 

Die Integration kommt dann fast von alleine. Ich schreibe fast, weil du da natürlich auch nachhelfen kannst. 

Selbstcoaching 2:

Führe ein Tagebuch. Klassisch mit Text oder auch visualisiert. Das hilft dir schwierige Zeiten zu überstehen. Und du kannst es später immer wieder zur Hand nehmen. Somit garantiert es dir, dass du das, was die Krise dich lehrt, nicht vergisst. 

Extratipp: Gerade wenn du jetzt sehr viel digital unterwegs bist, dann führe dein Tagebuch in Papierform. Es wird dadurch realer und haptisch. Es aktiviert andere Sinne und andere Hirnareale.

Verschiedene Strategien

Diese Phasen durchlaufen wir übrigens alle. Die einen mehr, die anderen weniger. Sehr rationale Menschen werden weniger mit inneren Widerständen zu kämpfen haben. Kreative und sehr resiliente Persönlichkeiten werden die Talsohle recht zügig durchschreiten. Und andere werden hier eine Weile festhängen. 

Hier kannst Du helfen. Aber bitte nicht mit guten Ratschlägen oder wohlüberlegten Argumenten. Dafür bin ich nicht offen, wenn ich mich im Schockzustand oder der Phase der Verneinung befinde. Hier geht es um Emotionen. 

Also hör einfach zu. Empathisch. Auf Augenhöhe. Zugewandt. Nimm die Sorgen und Ängste ernst. Und zeige Verständnis dafür. 

Umgang mit Fake News

Und wie soll ich mit Kolleg*innen, Verwandten oder Bekannten umgehen, die Fake News verbreiten? 

Zuerst einmal: unterbrich die Kette. Leite diese Nachrichten nicht weiter. Am besten du zitierst sie auch nicht. Mit einem Gerücht ist es wie mit dem Virus: du musst seine Ausbreitung verhindern. 

Auf Social Media kannst Du sie mit nüchternen Worten richtigstellen. Eine große Hilfe sind hier mimikama und Quarks. Oder natürlich wissenschaftliche Quellen. 

Im direkten Gespräch ist Verständnis wichtig. Verständnis für die Situation dessen, der die Geschichte erzählt. Das heißt nicht Verständnis für die Geschichte selber. Du hast beim Lesen dieses Textes gelernt, dass dahinter Sorgen, Nöte, Ängste stecken. 

Lass dein Gegenüber seine Geschichte erzählen und unterdrücke den Reflex, sie richtigstellen zu wollen. Und dann erzähle von dir. Wie es dir in dieser Situation geht. Über deine Sorgen, deine Nöte.

Damit bringst du dein Gegenüber dazu, dir zuzuhören. Und vielleicht dazu, über die eigenen Ängste zu sprechen. Das wird euch verbinden. Und dann sprich über deine Hoffnungen. Und darüber, was du tust, um sie zu erfüllen. Also von deinen Lösungen. Von den Lösungen, die du für dich gefunden hast. Und dann kannst du mit deiner Hoffnung, mit deiner Zuversicht die anderen anstecken. 

Mein Angebot für dich

Die Situation wirft viel Fragen auf. Deshalb möchte ich dir ein Angebot machen:

Vorübergehend biete ich dir kostenlos 30 Minuten Online-Coaching an. 

Interessiert? Dann melde dich bei mir!


Bildnachweis:

1.: Photo by CDC on Unsplash

2.: Graphik: act-real!

Veröffentlicht von act-real!

Trainer, Coach, Theatermensch

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